Der Einsatz vernetzter Technologien in unserer Welt nimmt stetig zu; so ist es beispielsweise nicht ungewöhnlich, dass Autos mit drahtlosen Funktionen wie Bluetooth, WLAN und schlüssellosen Zugangssystemen ausgestattet sind. Diese Technologien ermöglichen Freisprechanrufe, integrierte Navigationssysteme und Internetzugang. Leider bieten sie Hackern auch die Möglichkeit, auf unsere Fahrzeuge zuzugreifen. Nehmen wir den Rückruf von 1,4 Millionen Fahrzeugen durch Chrysler Anfang des Jahres: Der Hersteller begründete den Rückruf mit fehlerhaften Fahrzeugcomputersystemen, die leicht infiltriert werden konnten. Der Branchenriese war gezwungen, ein Problem anzugehen, das vor nur zehn Jahren noch undenkbar war.
Chrysler hätte die Wahrscheinlichkeit solcher Sicherheitslücken aufgrund von Branchenstudien möglicherweise vorhersehen können. Beispielsweise gelang es im Sommer 2013 zwei Sicherheitsforschern im Rahmen eines Artikels für Forbes, in das Steuerungssystem eines Autos einzudringen. Der Hack erfolgte jedoch nicht drahtlos, da die Laptops der beiden an den On-Board-Diagnoseanschluss des Fahrzeugs angeschlossen waren – ein gängiger Zugangspunkt für elektronisch gesteuerte Systeme, der von Kfz-Reparaturtechnikern genutzt wird. Die Ergebnisse waren für die Hacker vielversprechend, für die Automobilindustrie jedoch besorgniserregend: Bremsen, Hupe und Lenkrad des Wagens wurden erfolgreich manipuliert, und das Fahrzeug landete in einem Graben.
Leider hörten die unerfreulichen Ergebnisse damit nicht auf. Die Forscher untersuchten weiterhin erfolgreich die Möglichkeit, die drahtlosen Funktionen eines Autos zu nutzen, um mithilfe eines von ihnen entwickelten Codes die Kontrolle darüber zu erlangen. Konkret hackten sie sich in das CAN-Bussystem (Controlled Area Network) eines Autos ein, ein einfaches Betriebssystem zur Steuerung verschiedener Prozesse in Fahrzeugen.
Im Juli dieses Jahres wiederholten die beiden Hackerangriffe mit demselben Reporter, der bereits den ersten Artikel verfasst hatte – diesmal jedoch drahtlos. Der Reporter fuhr mit einem Jeep Cherokee auf eine nahegelegene Autobahn, und sobald die Hacker Zugriff auf das Bordcomputersystem erlangt hatten, brach Chaos aus. Luft strömte aus den Lüftungsschlitzen, und alte Hip-Hop-Musik dröhnte aus den Lautsprechern. Die zunächst harmlos erscheinenden Störungen nahmen jedoch schnell eine unerwartete Wendung, als der Fahrer bemerkte, dass der Motor seines Wagens ferngesteuert abgestellt worden war.
Die Erkenntnis, dass Autos auf so gefährliche Weise gehackt werden können, veranlasste Chrysler zum Rückruf von 1,4 Millionen Fahrzeugen. Sollten Sie sich jedoch Sorgen um das Online-System Ihres Fahrzeugs machen, seien Sie beruhigt: Solche Hacks sind nicht einfach durchzuführen. Das Hacken eines Autos erfordert Geld, technische Ressourcen und Expertenwissen; daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Auto aus der Ferne von einem Kriminellen übernommen wird, äußerst gering.
Mit dem fortschreitenden technologischen Fortschritt werden Autos angesichts der zahlreichen drahtlosen Funktionen, die in Zukunft verfügbar sein werden, zunehmend als Erweiterung des persönlichen Netzwerks fungieren. Dies birgt jedoch potenziell ein steigendes Risiko für immer mehr Fahrer. Seit der Entdeckung von Sicherheitslücken in Fahrzeugsteuerungssystemen hat die Alliance of Automobile Manufacturers (AAM) laut einem Artikel der LA Times eine zentrale Anlaufstelle für Informationen und Analysen zu Fahrzeugschwachstellen geschaffen. In diesem Fall müssen Automobilhersteller sicherstellen, dass ihre Sicherheitsstrategie optimiert ist, um die Angriffe abzuwehren, die nun so leicht möglich sind. Mit dieser neuen Anlaufstelle muss die Automobilindustrie zudem eine umfassende Sicherheitsstrategie entwickeln. Eine solche Strategie sollte Folgendes beinhalten: automatisierte Vorfallsreaktion Da die steigende Anzahl von Fahrzeugen auf den Straßen schnellere Reaktionszeiten auf potenzielle Gefahren erfordert – schließlich prognostiziert Business Insider, dass bis 2020 zehn Millionen selbstfahrende Autos unterwegs sein werden –, steht für die Automobilindustrie mehr auf dem Spiel als je zuvor.

